Zwischenzeugnis: Das besondere Arbeitszeugnis

ZwischenzeugnisMöchten Sie ein Arbeitszeugnis anfordern, dann müssen Sie damit nicht bis zum endgültigen Job Wechsel oder der Kündigung warten. Wenn es bedeutende Veränderungen im Unternehmen gab, Sie eine schriftliche Rückmeldung Ihrer Leistung wünschen oder Sie eine Bewerbung in Betracht ziehen, können Sie um ein Zwischenzeugnis bitten. Dieses folgt dem klassischen Zeugniscode und unterscheidet sich nur in wenigen Details von „normalen“ qualifizierten Arbeitszeugnissen.

Der Anspruch: Ein Zwischenzeugnis anfordern

Anders als bei Arbeitszeugnissen gibt es aus rechtlicher Sicht für Arbeitnehmer keinen generellen Anspruch auf die Ausstellung der Zwischenzeugnisse. Das Recht besteht nur dann, wenn ein berechtigtes Interesse vorliegt. Gemeint sind damit wesentliche Veränderungen im Unternehmen, die eine solche schriftliche Rückmeldung rechtfertigen. Stellt der Arbeitgeber etwa die Kündigung in Aussicht, werden Sie versetzt oder ändern sich Ihre wesentlichen Aufgaben, gilt dieses berechtigte Interesse als erfüllt. Analog ist es bei einer Praktikumsbewertung, wenn Sie nach dem Praktikum im Unternehmen angestellt werden. Hier wäre ein Arbeitszeugnis nicht unbedingt nötig, da Sie in der Firma verbleiben. Dennoch kann es sinnvoll sein, um die schriftliche Bewertung zu bitten. Gerade durch die zunehmende Praxis, Absolventen zunächst über Praktika im Unternehmen zu testen, wird diese relevant. Auch bei einer Beförderung oder einem Job Wechsel sollten Sie um ein Zeugnis bitten, denn Sie wissen nicht, ob Sie sich mit dem neuen Chef ähnlich gut wie mit dem bisherigen Vorgesetzten verstehen. Wollen Sie eine solche schriftlich Rückmeldung verlangen, kann Ihr Chef vermuten, dass Sie sich auf eine andere Stelle bewerben und nun das Zeugnis für Ihre Bewerbung benötigen, um Ihren Lebenslauf zu verifizieren. Dies kann das Vertrauensverhältnis stören. Ist diese Umorientierung tatsächlich nicht geplant, sollten Sie dem Vorgesetzten die Loyalität versichern. Eine überzeugende „Ausrede“ ist auch das Argument, dass Sie sich betriebsintern mit neuen Aufgaben befassen möchten – dies ist nicht verwerflich.

Die Codes im Zeugnis

In einem Zeugnis – sei es das Praktikumszeugnis, ein Ausbildungszeugnis, das Zwischenzeugnis, oder das allgemeine qualifizerte Arbeitszeugnis – gilt immer derselbe Zeugniscode: Hinter jeder einzelnen Formulierung werden Aussagen und Bewertungen zur Leistung des Mitarbeiters in Form von „Zeugnissprache“ versteckt. Diese können auf den ersten Blick sehr wohlklingend erscheinen, verbergen aber durch feine Abstufungen oder Auslassungen auch Kritik. Durch Worte wie „sehr“ oder „stets“ werden optimale Bewertungen zum Ausdruck gebracht. Fehlen diese Begriffe, sodass zwar von einer positiven Leistung gesprochen wird, die aber nicht stets/immer vorlag, dann bedeutet dies eine Note schlechter in der Bewertung. Sehr Negatives wird ausgelassen. So werden versierte Leser einer Zeugnisbewertung etwa misstrauisch, wenn im Sozialverhalten nur das Verhalten gegenüber Kollegen, nicht aber gegenüber Vorgesetzten erwähnt wird.

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Zwischenzeugnis: Ähnlicher Aufbau, wie beim Arbeitszeugnis

Zwischenzeugnisse unterscheiden sich kaum von klassischen Arbeitszeugnissen. Es folgt den gleichen Regeln und Mustern der Zeugnisbewertung, beinhaltet die gleichen sprachlichen Codes und dieselbe „Zeugnissprache„. Unter der Überschrift „Zwischenzeugnis“ stehen die Stammdaten des Arbeitnehmers, darunter die Angaben zum Unternehmen, gefolgt von einer Nennung des Beschäftigungszeitraumes (z.B. „Herr X ist seit dem 02.03.2012 als Buchhalter in unserem Unternehmen tätig.“).

Wie ein Zeugnis aufgebaut ist erfahren Sie in diesem Muster:
Arbeitszeugnis – Inhalt & Aufbau

Beispiele für Arbeitszeugnisse sind isehr hfreich bei Erstellung von Zeugnissen:
Vorlagen & Beispiele

Das Zwischenzeugnis listet Ihre Aufgaben in einer Tätigkeitsbeschreibung auf und geht dann zur Leistungsbeurteilung über.

Die Tätigkeitsbeschreibung ist individuell und und hängt von Ihren eigenen Aufgaben ab. Deshalb verlangt die Aufgabenbeschreibung einige Improvisation … Oder etwa nicht?
Die Antwort ist: Nicht in allen Aspekten! Zwar wählen Sie selbst aus, welche Ihrer Aufgaben Sie aufführen, dennoch müssen diese im Arbeitszeugnis korrekt bezeichnet werden. Selbst die Reihenfolge in der Auflistung der Tätigkeiten trifft starke Aussagen bei Ihrer nächsten Bewerbung.

Damit Sie die richtigen Worte finden, liefern wir eine umfangreiche Sammlung an Tätigkeitsbeschreibungen – Nach Beruf und Position sortiert! Tipp: Diese können Sie auch im Lebenslauf verwenden.
Katalog für Tätigkeitsbeschreibungen

Auch das Sozialverhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden wird im Arbeitszwischenzeugnis bewertet. Es folgen die Schlussformel, eventuell Zukunftswünsche und die Unterschrift des ausstellenden Vorgesetzten.

Zwischenzeugnisse & versteckte Aussagen

Zwischenzeugnis AnspruchEinige Unterschiede bestehen gegenüber einem klassischen Arbeitszeugnis. So wird bei der Nennung des Beschäftigungszeitraumes kein Ende angegeben, denn Sie sind noch in dem Unternehmen beschäftigt. Die Schlussformel beinhaltet einen Dank für das bisher Geleistete, Gründe des Weggehens entfallen natürlich. Möglich ist es, den Grund für die Ausstellung des Zwischenzeugnisses anzugeben. Dies kann in der Zwischenzeugnis-Schlussformel erfolgen. Ein Beispiel für eine Schlussformel mit sehr guter Bewertung kann so aussehen: „Das Zwischenzeugnis wird aufgrund des Vorgesetztenwechsels von Herrn X ausgestellt. Wir bedanken uns bei Herrn X für seine bisherige stets ausgezeichnete Arbeit und wünschen uns weiterhin eine so positive und noch lange währende Zusammenarbeit.“. Ein gutes Zeugnis kann so beendet werden: „Dieses Zwischenzeugnis wurde auf Wunsch von Herrn X erstellt. Wir bedanken uns bei Herrn X für seine bisherige stets gute Arbeit und freuen uns auf die weiterhin erfolgreiche Zusammenarbeit.“.

Vorteile, wenn Sie ein qualifiziertes Zwischenzeugnis anfordern

Wenn Sie ein Zwischenzeugnis anfordern, dann verlangen Sie ein qualifiziertes Arbeitszeugnis. Eine einfache schriftliche Rückmeldung besitzt wenig Aussagekraft und lässt bei einer eventuellen externen Bewerbung den Verdacht aufkommen, dass Sie nicht gut bewertet wurden und daher lieber das Zeugnis ohne Leistungs- und Sozialeinschätzung gewählt haben. Generell werden Verhalten und Leistung von Arbeitnehmern im Zwischenzeugnis meist besser beurteilt als in Endzeugnissen. Schließlich ist der Arbeitgeber daran interessiert, dass Sie im Unternehmen bleiben und gibt Ihnen ein positives Feedback, das Sie motivieren soll. Auch wenn der Vorgesetzte die Zusammenarbeit beenden möchte, nutzt er die Möglichkeit, Sie durch ein sehr positives Zeugnis hinauszukomplimentieren – kein schöner Anlass, aber für Sie die Chance, mit dem wohlklingenden Zeugnis anderswo eine Stelle zu finden. Drohen Probleme wegen Umsetzungen oder sind Sie sich nicht sicher, ob Sie den Anforderungen einer betriebsinternen Veränderung gewachsen sind, bezieht sich das Zwischenzeugnis noch auf die alten und von Ihnen sicher beherrschten Aufgaben. Das zwischendurch ausgestellte Zeugnis besitzt eine Bindungswirkung. Arbeitgeber dürfen nur mit sehr triftigen Gründen von der Bewertung im Zwischenzeugnis abweichen, wenn sie später durch einen Jobwechsel doch ein endgültiges Arbeitszeugnis ausstellen. Dies gilt besonders dann, wenn zwischen dem Ausstellen beider Zeugnisarten nur ein kurzer Zeitraum liegt. Bei einem guten bis sehr guten Zeugnis kann der Arbeitnehmer davon ausgehen, dass er nicht aus verhaltensbedingten oder personenbedingten Gründen gekündigt wird.

Fazit – lieber ein Zwischenzeugnis als ein Abschlusszeugnis beantragen

Ein Zwischenzeugnis folgt den gleichen Formulierungen wie klassische Arbeitszeugnisse, wird aber nicht am Ende einer Beschäftigung, sondern als Rückmeldung für noch bestehende Arbeitsverhältnisse ausgestellt. Das Zwischenzeugnis wird zur Vorlage für spätere Leistungsbeurteilungen. Häufig sind Zwischenzeugnisse positiver formuliert und wohlwollender geschrieben als Abschlusszeugnisse. Wollen Sie sich also intern oder extern umorientieren, dann eignet sich das Zwischenzeugnis besser. Es zeugt zudem von ungekündigter Stellung, was Ihren Verhandlungsrahmen bei einer Bewerbung erweitert. Ein Zwischenzeugnis zu beantragen kann den Arbeitgeber misstrauisch machen. Benennen Sie sachlich Gründe, wie neue Aufgaben, Umsetzungen oder den anstehenden Wechsel des Vorgesetzten, um Ihren Anspruch auf ein Zeugnis zu begründen. Zum Entschlüsseln der enthaltenen Codes können Sie unsere arbeitszeugnis.io Software verwenden.

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Weitere Beitäge


Comments (9)

by Michael Henschke
1 Jahr ago Reply

Als Ergänzung zu Ihrem guten Artikel kann anstelle eines abschliessenden Zeugnisses auch / oder ein Empfehlungsschreiben erbeten werden. Vorteil: ein solches besitzt zumindest in Deutschland noch relative Außergewöhnlichkeit und fällt beim neuen Job entsprechend positiv ins Gewicht.

by Team arbeitszeugnis.io
1 Jahr ago

Hallo Herr Henschke,
vielen Dank für Ihre Ergänzung. Das ist ein wertvoller Tipp!

Beste Grüße,
arbeitszeugnis.io-Team

by Xiaohong Xu
1 Jahr ago Reply

Mein Chef ist vor knapp 2 Jahren befördert worden. Kann ich jetzt noch von ihm um ein Zwischenzeugnis bitten?

by Team arbeitszeugnis.io
1 Jahr ago

Hallo Xiaohong Xu,

der Wechsel des direkten Vorgesetzten ist ein guter Grund für ein Zwischenzeugnis und stark zu empfehlen. Ob nach 2 Jahren der alte Chef überhaupt noch fähig ist eine Bewertung abzugeben, ist aber eine andere Frage.

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