Kündigungsfristen für Arbeitnehmer

uhr_gross Kündigungsfrist

Wenn Sie ein Arbeitsverhältnis kündigen oder gekündigt werden, gelten bestimmte Kündigungsfristen. So lange die Kündigungsfrist noch nicht abgelaufen ist, erhalten Sie weiterhin Ihren Lohn, müssen aber auch noch arbeiten. Ausnahmen bestehen bei Freistellungen oder einer fristlosen Kündigung. Unterschiedliche Tarifverträge können spezifische Kündigungsfristen enthalten und wenn Sie bereits langjährig im Unternehmen tätig sind, verlängern sich die geltenden Fristen ebenfalls.

Warum gibt es die Kündigungsfrist für Arbeitnehmer?

Die Kündigungsfrist soll Arbeitnehmern wie Arbeitgebern dabei helfen, sich auf die bevorstehende Beendigung des Arbeitsverhältnisses vorzubereiten. Arbeitnehmer trifft eine Kündigung, gerade wenn diese unerwartet kommt, meist sehr. Sie verlieren Ihre bisherige berufliche Tätigkeit und müssen sich nach einer neuen Stelle umsehen. Die Kündigungsfrist gibt Ihnen die Chance, frühzeitig mit der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz zu beginnen. Sie haben zwar die Kündigung erhalten, sind aber nicht sofort gekündigt, denn das Arbeitsverhältnis läuft je nach konkret gültiger Frist noch einen Monat oder länger weiter, sodass Sie noch Lohn erhalten. Auch Arbeitgeber profitieren von der Kündigungsfrist. Diese erlaubt es dem Unternehmen, nach einem geeigneten Ersatz zu suchen, sodass die Stelle nicht lange unbesetzt bleibt. Andernfalls können bei wichtigen Positionen wesentliche Aufgaben nicht mehr erfüllt werden und es droht ein wirtschaftlicher Verlust. So vorteilhaft die Kündigungsfristen zur gegenseitigen Absicherung und für die Planungssicherheit sind, so hinderlich sind sie, wenn es darum geht, ein Arbeitsverhältnis schnell zu beenden. Vielleicht haben Sie eine neue interessante Stelle gefunden und freuen sich auf die berufliche Abwechslung, müssen aber noch eine mehrmonatige Kündigungsfrist beim alten Arbeitgeber verstreichen lassen. Genauso hinderlich kann es für Unternehmen sein, wenn ein Mitarbeiter die Firma eigentlich rasch verlassen soll, aber die Kündigungsfrist dies in die Länge zieht.

Die gesetzliche Kündigungsfrist für Arbeitgeber

Die Kündigungsfristen, die beim Beenden eines Arbeitsverhältnisses durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber beachtet werden müssen, ergeben sich aus den gesetzlichen Bestimmungen, Tarifverträgen oder dem konkreten Arbeitsvertrag. Meist orientieren sich Arbeitnehmer an den gesetzlichen Fristen. Besteht keine Tarifbindung, dann ergeben sich die Kündigungsfristen nach § 622 BGB. Dieser Paragraph sieht eine einheitliche Mindestkündigungsfrist von genau vier Wochen zum 15. eines Monats oder bis zum Ende eines Kalendermonats vor. Wenn Sie beispielsweise am 20.04. Ihre Kündigung erhalten und die Kündigung bis zum Ende eines Monats erfolgen soll, dann bleiben Sie noch mindestens vier Wochen beschäftigt – dies wäre dann der 20.05. Allerdings kommen noch 10 Tage hinzu, denn das Ende des Kündigungsmonats (April) wäre der 30.04. und erst am diesem Zeitpunkt zählt die Kündigung. Daher würden Sie in diesem Fall nicht nur bis zum 20.05., sondern bis zum 30.05. angestellt bleiben. Ausnahmen gelten für Unternehmen, in denen weniger als 20 Arbeitnehmer tätig sind. Hier kann der Arbeitgeber im Arbeitsvertrag vereinbaren, dass die Kündigung ohne einen festen Kündigungstermin erfolgen darf. Bei der Feststellung der Anzahl an Arbeitnehmern in einem Betrieb zählen auch Teilzeitangestellte mit, aber nur anteilig in Bezug auf die jeweilige Arbeitszeit. D.h. wer nicht mehr als 20 Stunden arbeitet, gilt als halbe Arbeitskraft. Eine Ausnahme besteht ebenso, wenn Sie maximal drei Monate als Aushilfskraft tätig sind. Hier kann die Kündigungsfrist im Arbeitsvertrag kürzer als vier Wochen gewählt werden.

Länger gesetzliche Kündigungsfristen durch mehrjährige Betriebszugehörigkeit

Wenn Sie bereits länger in einem Unternehmen tätig sind, dann verlängern sich auch die Kündigungsfristen, die Ihnen gesetzlich zustehen. Ab einer Betriebszugehörigkeit von fünf Jahren verdoppelt sich die Kündigungsfrist auf zwei Monate. Ab acht Jahren Zugehörigkeit zum Unternehmen beträgt die Frist der Kündigung drei Monate. Ab 10 Jahren Betriebszugehörigkeit steht Ihnen eine Kündigungsfrist von 4 Monaten zu und ab einer Betriebszugehörigkeit von 12 Jahren gilt eine Frist von 5 Monaten. Wer bereits 15 Jahre im Unternehmen tätig ist genießt die Sicherheit einer sechs Monate dauernden Kündigungsfrist und ab dem 20. Jahr Betriebszugehörigkeit verlängert sich die Frist nochmals um einen Monat und beträgt damit insgesamt sieben Monate. Hierbei gilt, dass Arbeitsjahre vor dem 25. Lebensjahr nicht berücksichtigt werden. Dies sollte dazu dienen, dass Ausbildungszeiten nicht mit angerechnet werden. Diese Regelung wird aber kritisch betrachtet und könnte zukünftig wegfallen. Die verlängerten Fristen einer Kündigung, die je nach Dauer der Zugehörigkeit zum Unternehmen steigen, gelten nur dann, wenn Ihnen durch den Arbeitgeber gekündigt wird. Wenn Sie selbst kündigen und das Unternehmen verlassen möchten, dann legt Ihnen der Gesetzgeber keine Steine in den Weg. Sie müssen dann, unabhängig von der Betriebszugehörigkeit, nur die vierwöchige Kündigungsfrist einhalten.

Kündigungsfristen in der Probezeit und fristlose Kündigung

dieb_tuerWenn Sie sich in der Probezeit befinden, dann kommt eine verkürzte Kündigungsfrist zur Anwendung. Während der vereinbarten Probezeit, die ja nach Vertrag bis zu sechs Monaten betragen kann, beträgt die Frist lediglich zwei Wochen. Denn in der Probezeit geht es für den Arbeitnehmer darum, zu testen, ob der neue Job zu ihm passt. Analog testet das Unternehmen, ob der Mitarbeiter seine Aufgaben erfüllen kann und zur Firma passt. Sollte dies nicht der Fall sein, dann gibt die Kündigungsfrist von zwei Wochen beiden Vertragsparteien die Möglichkeit, das Arbeitsverhältnis durch die Kündigung des Arbeitsvertrages schnell zu beenden. Eine weitere Sonderform stellt die fristlose Kündigung dar. Diese wird auch als außerordentliche Kündigung bezeichnet und kommt dann zur Anwendung, wenn besonders schwere Vergehen eine Fortführung des Arbeitsverhältnisses unzumutbar machen. Allerdings muss die fristlose Kündigung dann innerhalb von 14 Tagen nach Bekanntwerden der für die Kündigung maßgebenden Sachverhalte (z.B. Diebstahl) ausgesprochen werden. .

Etwas anders öffentlicher Dienst

Je nach Tarifvertrag können andere Kündigungsfristen gelten. Diese gehen über die gesetzlichen Fristen hinaus. Ein solcher Tarifvertrag, der längere Fristen vorsieht, ist der Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD). Er gilt beispielsweise für Angestellte an Universitäten, an gemeinnützigen Krankenhäusern (nicht aber in Privatkliniken) oder bei Angestellten in Landratsämtern. Gemäß dem TVöD steht Ihnen bereits nach 10 Jahren Beschäftigung eine Kündigungsfrist von fünf Monaten zu und nach 12 Jahren eine Frist von 6 Monaten. Die Fristen beziehen sich zudem auf das Quartalsende und nicht nur auf den aktuellen Monat. Sind Sie beispielsweise 10 Jahre beschäftigt und werden gekündigt, dann läuft die Kündigungsfrist von 5 Monaten erst ab dem Ende des aktuellen Quartals.

Kündigungsfrist und Arbeitszeugnis

Nach einer Kündigung haben Arbeitnehmer Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Hierbei gilt es auch, spezielle Fristen zu beachten. Der Anspruch auf ein Arbeitszeugnis kann tatsächlich verfallen. Praktisch ist dies gar nicht selten, weil ehemalige Vorgesetzte das Ausstellen des Zeugnisses vor sich herschieben und ehemalige Angestellte nicht nachhaken. Aus dem § 109 der Gewerbeordnung/GewO sowie § 195 BGB geht hervor, dass der Anspruch auf ein Arbeitszeugnis drei Jahre nach der Kündigung verjährt. Die Verjährung beginnt erst am Schluss des jeweiligen Jahres. Wird Ihr Arbeitsverhältnis beispielsweise am 30.05. beendet, dann beginnt die Verjährungsfrist Anfang Januar des Folgejahres. Vertrauen Sie aber nicht zu sehr auf diese drei Jahre, denn Gerichte urteilten bisher auch, dass schon ein Jahr zu lang sein kann. Andere Urteile sprechen sich für eine Frist von nur sechs Monaten aus, wenn der Arbeitnehmer bereits ein Zeugnis mit Tätigkeitsbeschreibungen erhalten hat, dieses aber ändern lassen möchte. Wie das Zeugnis dann ausgefallen ist, können Sie mit unserer App oder mit der Webversion von arbeitszeugnis.io prüfen.

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